Beendet
Junyoung Lim — Einzelausstellung
14. Oktober 2015 – 24. Oktober 2015 · SOOHOH GALLERY

Die Arbeiten von Junyoung Lim, dem Preisträger der 6. Soohoh-Ausschreibung, zeugen von seiner kulturellen Tradition und seinem feinen Gespür. Mit einem sensiblen und zugleich außergewöhnlichen Blick auf Geschichte und Kultur lässt uns sein Werk in Erinnerungen an vergangene Zeiten schwelgen und führt die Betrachtenden zu einem Nachdenken jenseits von Zeit und Raum. Wir freuen uns von Herzen, die Einzelausstellung dieses Künstlers, dessen kommende Arbeiten schon jetzt große Erwartungen wecken, in der Soohoh Gallery zeigen zu dürfen. Möge sie Kulturliebhabern und Besuchern einen Moment der stillen Betrachtung schenken. — Jisoo Lee, Direktorin der Soohoh Gallery
■ Like Water
Im ersten Teil des Projekts „Like Water" (Wie Wasser) wird die unaufhörliche Energie der Menschen in einer Megastadt, die einem scheinbar die Kraft raubt, als fließendes Wasser dargestellt — ein organisches, dynamisches Bild. Der zweite Teil zeigt keine seelenlosen Stadtgebäude mehr, sondern Bauten, die selbst wie Wasser durch die Zeit geflossen sind, und Menschen, die mit diesem Raum in Einklang stehen und wie Zeit, wie Wasser, entschwinden. In Megastädten wie New York oder Seoul erfüllt die endlose Bewegung der Menschen die Zwischenräume der dicht gedrängten Hochhäuser. Dieser trockenen, ausgezehrten Stadtbild-Wirkung setzt der Künstler das Wasser als Ausdruck von Lebenskraft entgegen — der Lebenskraft und Tatkraft der Menschen, die sich nicht von der Megastadt verschlingen lassen —, und rückt durch die Harmonie von Stadt und Wasser die Kontinuität des Lebens in den Mittelpunkt. Eines Abends, zur Feierabendzeit, stand ich mitten in der Stadt und sah, wie aus jedem Gebäude gleichzeitig Menschen hervorströmten. Der Anblick glich Wasser, das plötzlich aus einem Rohr schießt und auf die Luft trifft. Das Wasser in den Werken steht sinnbildlich für die Menschen, die aus unzähligen Gebäuden herausgedrängt werden; um die geheimnisvolle, rätselhafte Kontinuität des Lebens auszudrücken, wurde bewusst eine dunkle Stimmung betont. Diese Bilderserie betont die Harmonie zweier gegensätzlicher Elemente: der geometrischen Gebäude und des Wassers als Sinnbild des organischen Menschen — ein Werk an der Grenze zwischen Surrealismus und Realismus. Statt, wie so oft, die Trockenheit der Stadt in den Vordergrund zu stellen, wollte ich die darin verborgene Lebenskraft und Harmonie sichtbar machen.
■ Architectural Form
In jedem Gebäude verbergen sich unzählige Details. Was den Blick wirklich fesselt, ist weder das Bauwerk als Ganzes noch die Landschaft, die es umgibt. Indem ich nicht das Gesamte, sondern Fragmente betrachtete — eine Wand, eine Decke, an denen man meist achtlos vorbeigeht —, entdeckte ich die minimalsten Elemente. In diesen Details offenbart sich mitunter eine besonders eigene Schönheit; auch an den Grenzlinien der Architektur zeigt sich manchmal eine weitere Tiefe. In diesem Sinn lässt das Projekt „Architectural Form" durch das Zusammenspiel feiner Eigenschaften von Raum, Größe, Licht und Material eine andere Art architektonischer Schönheit entstehen — mal einen ruhigen Moment der Rast, mal einen dynamischen Schwung im Licht. Die Architektur in diesem Projekt findet sich nicht im Prunk, sondern in der Schlichtheit minimaler geometrischer Formen, Materialien und Farben — wie ein Muster aus unzähligen Linien gewoben. Das Gebäude selbst ist niemals ein bloßes Motiv: In ihm sind Zeitlichkeit, Geschichte und Kultur gleichermaßen gegenwärtig. Ich möchte diese in der Architektur vorhandenen Elemente nicht nur als reines Baumaterial zeigen, sondern als die Rolle, die die jeweilige Epoche ihnen zugedacht hat.